Sonntag, Juni 23, 2024
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Mein erstes 300km Dreieck.

Hat man seinen Segelflugschein erhalten und genügend Erfahrung gesammelt fängt der Scheininhaber oftmals an neue Herausforderungen zu suchen. Im Segelflug kann man dafür zum Beispiel in den Kunstflug gehen. Die Hauptbeschäftigung und auch die meisten Wettbewerbe widmen sich jedoch der Streckenfliegerei. Das Ziel dabei ist es vom Heimatflugplatz eine, je nach Disziplin, vorher ausgesteckte Distanz zurück zu legen und das am besten so schnell wie möglich. Um seinen Segelflugschein zu erhalten muss man als Schüler mindestens einen Flug von 50 km nachweisen können. Bei uns in Bad Windsheim ist das meist ein Flug von unserem Platz zum Flugplatz in Kitzingen oder in Ansbach/ Petersdorf und zurück. In Europa sind bei geeignetem Wetter Strecken von mehreren Hundert Kilometern möglich. Der Weltrekord liegt zurzeit bei ca. 3000km.

Das erste Wochenende an welchem wir wieder Fliegen durften war wettermäßig sehr gut für den Segelflug. So wurden bei uns am Verein schon Strecken von fast 200km zurückgelegt, jedoch ohne vorher auszustecken, es wurde also einfach dorthin geflogen wo das Wetter gut war. Diesen Vorteil hat man, wenn man die Route vorher festlegt nicht, dafür gäbe es im Wettbewerb mehr Punkte dafür. Am Vatertag wurde ebenfalls gute bis sehr gute Wolkenthermik vorausgesagt, auch sonst war der Wetterbericht super, sodass ich leise darüber nachdachte ein Dreieck zu fliegen.

Das war nicht mein erster Versuch eines 300km Dreiecks. Letztes Jahr zu Pfingsten hatte ich schon zweimal den Weg angetreten. Das erste Mal war die geplante Strecke Bad Windsheim – Hornberg (bei Stuttgart) – Beilngries – Bad Windsheim, das zweite Mal Bad Windsheim – Bayreuth – Suhl – Bad Windsheim… Beide Male schlug der Versuch jedoch fehl. Das erste Mal musste einer meiner Mitflieger wetterbedingt auf dem Flugplatz Hornberg landen, Ich hatte dabei Glück, dass ich noch einen Aufwind bei Eichstätt gefunden hatte, sonst hätte ich da landen müssen. Beim zweiten Mal bildete sich ein Gewitter über Suhl, sodass wir frühzeitig umkehren mussten. Auf dem Rückweg hatten wir mit starkem Gegenwind zu kämpfen. Als dann auch kein Aufwind mehr dazukam musste ich ca. 8 km nördlich des Bad Windsheimer Flugplatzes auf einem Acker bei Herbolzheim außenlanden.

Da solche Außenlandungen nicht selten sind braucht man ein Rückholteam – ein paar Personen, die sich bereit erklären jemanden mit dem Anhänger am Auto abzuholen falls er außenlanden sollte. Dies ist keine Selbstverständlichkeit – Nach Suhl sind es Luftlinie 120km, mit dem Auto aber 180km einfach. Um so schöner war es für mich, dass sich schnell Kameraden im Verein gefunden haben die mich in der Hinsicht unterstützt hätten. Also habe ich meinen Flug konkret geplant.

Ich wählte wieder die Strecke Bad Windsheim – Bayreuth – Suhl – Bad Windsheim insgesamt 330 km, in der Hoffnung, dass der vorhergesagte Nordostwind mir die Rückkehr ab Suhl dann erleichtert. Vorhergesagter Thermikbeginn war 10:30 Uhr – gut werden sollte es zwischen 11 und 18 Uhr. Im Gegensatz zu den anderen beiden Versuchen flog ich die Strecke dieses Mal allein, sonst waren wir die Strecken im Team geflogen. Dies war eine zusätzliche Schwierigkeit – Zwei Flugzeuge finden eher Aufwinde als eins.

Um 11:10 startete ich dann… und musste sofort kämpfen nicht wieder landen zu müssen. Ich saß zwar im leistungsmäßig besten Segelflugzeug des Vereins, dennoch tat ich mich schwer, aus der laut Wetterbericht „guten bis sehr guten Wolkenthermik“, einen für mich zufriedenstellenden Profit zu schlagen. Nach eineinhalb Stunden hatte ich mich dann bis Bamberg vorgestemmt, bis die nächste Hürde auftauchte: Zwischen Bamberg und Bayreuth fand ich anstelle von „guter bis sehr guter Wolkenthermik“ keine einzige Wolke vor. Dazu muss man wissen Wolken sind für uns Segelflieger Indikatoren für Aufwinde. Unter einer Quellwolke findet man fast immer einen Aufwind. Ohne Wolken existieren diese Aufwinde auch – nur diese zu finden ist um einiges schwerer. Da über Bayreuth aber schon wieder Quellwolken erkennen konnte entschied ich durchs blaue weiter zu fliegen. Die Aufwinde welche ich fand haben gereicht um in 1900 Metern über dem Meeresspiegel bei Bayreuth anzukommen ( ca. 1500 Meter über Grund bei Bayreuth). Jetzt war ich fast über dem Thüringer Wald, ein Gebiet an dem es oft sehr starke Thermik für uns Segelflieger gibt.

Diese Thermik war an dem Tag leider jedoch maximal mäßig. Bei Kulmbach stellte ich enttäuscht fest das ich den Wetterbericht vergessen kann. Nach links schauend sah ich auch die Strecke Richtung Bad Windsheim, welche ich zurückfliegen musste. Auch keine Wolke. Nachdem ich so oder so durch das Blaue zurück musste und die Strecke nach Suhl prächtig aussah entschied ich mich meine Aufgabe fortzuführen und bis nach Suhl zu fliegen.

Nach Suhl kam ich auch problemlos, doch dann kam das für mich schwerste Stück. Das Blaue Loch zwischen Suhl und Haßfurt. Trotz da ich im Flugzeug gegessen und getrunken hatte merkte ich das die Konzentration doch langsam nachlässt. Immerhin war ich zu dem Zeitpunkt auch schon mehr als vier Stunden unterwegs. Dennoch gab ich mein Bestes um bis nach Haßfurt zu kommen, wo ich zwei meiner Vereinskameraden, welche zwischenzeitlich in Bad Windsheim gestartet waren und mir entgegen flogen dann in der Luft traf. Gemeinsam suchten wir den letzten Aufwind, welcher mich bis nach Hause trägt und fanden ihn auch bei Ebrach. Natürlich war das Wetter südlich des Mains als ich die Aufwinde nicht mehr dringend brauchte dann besser. Aber so konnte ich entspannt die letzten 65 km nachhause gleiten, ohne mir große Sorgen mehr machen zu müssen. Die Höhe reichte sogar, um meinen Außenlandeacker vom letzten Jahr noch einmal aus der Luft anzuschauen bevor ich dann wieder in Bad Windsheim landete.

Nach 5 Stunden und 55 Minuten stieg ich wieder aus der ASW20 aus. Erschöpft aber auch erleichtert diesen Meilenstein geschafft zu haben. Wäre das Wetter so vorhergesagt gewesen wie es tatsächlich war hätte ich es wahrscheinlich nicht versucht. Als nächstes kommt dann das 400 km Dreieck – Wobei ich auch noch an meinem Geschwindigkeitsdurschnitt arbeiten könnte um einer bessere Gesamtzeit zu erreichen. 60,6 km/h ist für den Anfang nicht schlecht, Profis liegen meistens aber zwischen 90km/h und 110 km/h.


https://www.onlinecontest.org/olc-3.0/gliding/flightinfo.html?dsId=7764664